20.06.2024

Im Unterricht prompten? Muss das jetzt auch noch sein!?

Ja, unbedingt! Wenn Sie mich persönlich fragen … Es gibt aber durchaus einige allgemeingültige Argumente für das „Prompting mit Schülerinnen und Schülern“, die ich hier kurz – vielleicht auch für die nächste Diskussion im Lehrerzimmer – auflisten möchte:

  1. Das Ethikargument: KI-Anwendungen bringen bei undifferenzierten Prompts oft nur sehr allgemeine Ergebnisse. Ein plastisches Beispiel wäre die Frage nach 10 wichtigen Philosophen, deren Auswahl sich durch weitere Parameter noch deutlich vielfältiger darstellen lässt (siehe Chatverlauf: https://t1p.de/cz943).
  2. Das Lehrplanargument: Gerade die kompetenzorientierten Lehrpläne bieten zahlreiche Anknüpfungspunkte, um Prompting in den Unterricht zu integrieren. [1] So gehört „Digital handeln“ im bayerischen LehrplanPLUS der Realschule z. B. zu den „sechs Handlungsfeldern der Alltagskompetenz und Lebensökonomie“. [2]
  3. Das Diklusionsargument [3]: Durch Prompting-Kompetenzen können wir unseren Schülerinnen und Schülern aktive Teilhabe im digitalen Raum vermitteln – und zwar unabhängig davon, ob ein konkreter Förderbedarf vorliegt. Die reflektierte Nutzung von KI-Tools ist aus meiner Sicht auch ein wichtiger Beitrag für eine zeitgemäße Bildungsgerechtigkeit.
  4. Das Lesekompetenzargument: Der Umgang mit Text-KIs kann aus meiner Praxiserfahrung heraus auch die Basiskompetenz „Lesen“ fördern. Durch die Versprachlichung eigener Gedanken wird nicht nur die Begriffsbildung gefördert, sondern der darauffolgende Output muss dann ja auch verstanden bzw. auf das eigene Sprachniveau angepasst werden. Dabei unterstützt auch hier: Strukturiertes Prompting.
  5. Das Arbeitsweltargument: Werbeagenturen, Versicherungen oder auch die örtliche Verwaltung – es gibt wohl nur noch wenige Bereiche, in denen KI-Anwendungen im Berufsleben keine Rolle mehr spielen. Ob ein Kundenbrief, ein Präsentationsentwurf für das nächste Meeting oder gar ein Bild für die eigene Homepage – mit dem richtigen Prompt lassen sich bereits jetzt viele standardisierte Alltagsaufgaben erledigen.

„I’m convinced for now!“ – Doch wie baut man „Prompting“ nun in den Unterricht ein?

Nehmen wir mal an, Sie sind jetzt überzeugt und brauchen erste Ideen für einen eigenen „Prompting-Unterrichtsentwurf“. Als ersten Schritt sollten Sie zunächst eine Art „Methoden-Stunde“ einplanen, in der Sie Ihrer Klasse die Grundlagen des Promptings einführen. Hierzu empfehle ich immer gerne die Vorstellung des sog. PREP-Frameworks (siehe dazu auch diesen Blogbeitrag) von Daniel Fitzpatrick und zudem das in der unten angehängten Präsentation erwähnte AB „SchulKI-Fragetechniken“ (siehe Folien 13f.), das im letzten Jahr in meinem Studienseminar entstand. Eine Einführung in das Thema ist aus meiner Sicht unerlässlich, um den Schülerinnen und Schülern beim Prompting eine gewisse Struktur vorzugeben.

Derart ausgestattet ergaben sich für mich – zum heutigen Stand – für meine Fächer Deutsch und Geschichte vor allem drei konkrete „Prompting-Szenarien“, die sich mit Schülerinnen und Schülern gut umsetzen lassen:

  1. „Recherche-Prompting“: Die Klasse ermittelt mithilfe einer Text-KI Argumente für einen bestimmten Unterrichtsinhalt oder gewichtet die Outputs in einer Art Stoffsammlung. Dabei ist der eigene Faktencheck durch die Schülerinnen und Schüler immer notwendig und es reicht oft auch völlig aus, wenn Sie einen derartigen Arbeitsauftrag in Partnerarbeit – in z. B. 10 Minuten – durchführen lassen. Ein konkretes Beispiel wäre: „Ermitteln Sie Argumente dafür, ob KI-Textgeneratoren beim Erstellen von Aufsätzen erlaubt werden sollten!“
  2. „Lerntutor-Prompting“: Lassen Sie die Schülerinnen und Schüler mit einem „Bot“ ins Zwiegespräch gehen. Nutzen Sie das Angebot auf SchulKI oder erstellen Sie eigene Assistenten, die Sie nach Ihren Bedürfnissen mit „Wissen“ anreichern können. So entstehen digitale „Lernhelfer“, die nicht nur Vokabeln abfragen können, sondern auch Feedback zu geschriebenen Texten oder Lösungen geben. Die Erfahrung zeigt, dass gerade Schülerinnen und Schüler, die sich ggf. noch etwas unsicher sind, die Möglichkeit des KI-gestützten Feedbacks sehr schätzen und dementsprechend häufig auch nutzen.
  3. „Ergebnis-Prompting“: Geben Sie Ihren Klassen den Auftrag, das nächste Referat zu „prompten“ und dann auch zu halten. Machen Sie den Schülerinnen und Schülern bewusst, dass KI eine gute Unterstützung liefern kann, aber das „Sich-Zu-Eigen-Machen“ von Wissen auch im KI-Zeitalter immer noch relevant sein wird.

Diese o. g. Aspekte habe ich in unseren 8. Klassen im Rahmen eines Projekts für unsere Medienscouts durchgeführt. Dabei habe ich konkrete Aufgaben formuliert, die Sie ebenso in der Präsentation auffinden können (Folien 26ff.). Wenn Schülerinnen und Schüler erkennen, dass sich gutes Prompting lohnt, haben Sie das wichtigste Lernziel bereits erreicht.

Klick hier um zur Präsentation zu gelangen

„Schön und gut! Aber geht das auch mit Bildern?“

Mithilfe des einfachen Verfahrens über die Freigabeschlüssel können Sie mit Ihren Klassen auch Bilder prompten und die Ergebnisse dann anschließend mit der jeweiligen Eingabe vergleichen. Die sog. „Pro(mpt)zessreflexion“ [4] – ein Modell, das Laura M. Lewald-Romahn 2023 vorgeschlagen hat, kann nicht nur im Kunstunterricht eingesetzt werden. Gerade auch bei jüngeren Schülern ist diese Methode hilfreich, um damit diese sich Mühe beim Beschreiben geben. Ein aktuelles Beispiel führte vor Kurzem unsere Studienreferendarin Sophie Gauer mit einer 5. Klasse im Deutschunterricht durch. Hierbei sollten die Schülerinnen und Schüler Prompts – zunächst analog – formulieren, um (Fantasie-)Tiere mithilfe der Bild-KI von SchulKI erstellen zu können. Über die jeweiligen Ergebnisse trat man dann im Unterrichtsgespräch in den kritischen Dialog. Eine aus meiner Sicht sehr treffende Art und Weise, wie man Schülern das Prompting beibringen könnte. Probieren Sie es doch auch einfach mal aus und teilen Sie Ihre Erfahrungen beim Behandeln der Schlüsselkompetenz „Prompting“ gerne mit mir Twitter oder Bluesky!




[1]    Vgl. dazu auch das Angebot https://www.soekia.ch/GPT/, mit dem man hinter die Kulissen eines sog. Textgenerators blicken kann.

[2]    Vgl. https://www.lehrplanplus.bayern.de/uebergreifende-ziele/realschule

[3]    Begriff nach Dr. Lea Schulz:  (Digitale Medien + Inklusion = Diklusion), s.a. https://leaschulz.com/diklusion/

[4]    In: Kunst+Unterricht 475/476, S. 30ff. Themenheft Bild Kunst KI

Kai Wörner