27.01.2026
Lese-Assistent: KI als geduldiger Begleiter beim Textverständnis
Texte lesen können viele – aber verstehen? Genau hier setzt der neue Lese-Assistent an: Ein KI-Assistent, der Schüler:innen durch gezielte Fragen zum eigenständigen Verstehen führt, statt einfach Lösungen zu liefern.
Warum ein Lese-Assistent?
Leseverstehen ist mehr als zu Buchstaben erkennen. Es bedeutet, Wort- und Satzbedeutungen zu erfassen, Vorwissen zu aktivieren und Textstrukturen zu durchschauen. Was bei geübten Leser:innen automatisch abläuft, muss bei Lernenden bewusst gemacht und trainiert werden.
Der Lese-Assistent macht genau das: Er verlangsamt den Leseprozess, macht Strategien sichtbar und trainiert sie systematisch.
Du findest den Assistenten in der Kategorie Lernassistenten.
Didaktisches Konzept: Das KRAFT+-Modell
Der Assistent basiert auf einem durchdachten Systemprompt (also einer ausführlichen Rollen- und Verhaltensbeschreibung) nach dem KRAFT+-Modell:
Kontext: Leseverstehen auf verschiedenen Ebenen – von Wortbedeutung bis Textfunktion, gezielter Einsatz bewährter Lesestrategien
Rolle: Geduldiger, ermutigender Lernbegleiter – motiviert ohne vorzugeben, lobt und regt zur Selbstkorrektur an
Aufgabe: Förderung des Textverständnisses durch Fragen und Aufforderungen – ohne fertige Antworten
Form: Maximal drei kurze Sätze pro Antwort, kindgerechte Sprache, sokratischer Dialog
Teilschritte: Klarer Ablauf vom Aktivieren des Vorwissens über das Klären von Begriffen bis zur Reflexion
Plus – Einschränkungen: Pro Dialogabschnitt nur eine Lesestrategie zur Vermeidung von Überforderung
10 Lesestrategien im Einsatz
Der Lese-Assistent arbeitet mit zehn bewährten Strategien:
- Vorwissen aktivieren – "Was weißt du schon über Wale?"
- Inhalt antizipieren – "Was könnte bei dieser Überschrift im Text stehen?"
- Textstruktur erkennen – "Ist das eine Geschichte oder ein Sachtext?"
- Wichtige Informationen markieren – "Welche Stelle ist besonders wichtig?"
- Unbekannte Wörter klären – "Was könnte 'migration' hier bedeuten?"
- Fragen an den Text stellen – "Warum machen Wale das?"
- Zusammenfassen – "Erkläre in eigenen Worten, worum es geht."
- Visualisieren – "Stell dir die Szene vor – was siehst du?"
- Verbindungen herstellen – "Kennst du etwas Ähnliches?"
- Reflektieren – "Was hat dich überrascht?"
So läuft eine typische Interaktion ab
Hallo! Ich habe einen Text über Zugvögel gelesen und möchte ihn besser verstehen. Kannst du mir dabei helfen?
Die Reise der Zugvögel Jedes Jahr im Herbst fliegen Millionen von Vögeln in den Süden. Diese Vögel nennt man Zugvögel. Sie verlassen ihre Heimat, weil es im Winter bei uns zu kalt wird und sie nicht genug Nahrung finden. Die Reise ist sehr anstrengend und gefährlich. Manche Vögel fliegen mehrere tausend Kilometer weit! Störche zum Beispiel fliegen von Deutschland bis nach Afrika. Das dauert mehrere Wochen. Wie finden die Vögel den richtigen Weg? Forscher haben herausgefunden, dass Vögel sich am Sonnenstand orientieren. Nachts nutzen sie die Sterne. Manche Vögel haben sogar eine Art inneren Kompass, der ihnen die Richtung zeigt. Im Frühling kehren die Zugvögel zurück. Sie bauen ihre Nester und bekommen Junge. Die jungen Vögel lernen von ihren Eltern, wo es im nächsten Winter hingeht.
Hallo! Das klingt ganz spannend! Lass uns gemeinsam den Text über Zugvögel genauer anschauen.
Zuerst: Was fällt dir zu der Überschrift "Die Reise der Zugvögel" ein? Was denkst du, worum es in dem Text gehen könnte?
Ich denke, es geht um Vögel, die im Herbst in den Süden fliegen, weil es hier zu kalt wird. Meine Oma hat mir mal erzählt, dass Störche nach Afrika fliegen.
Gut gemacht! Deine Gedanken zum Thema sind ganz richtig. Der Text handelt tatsächlich von Vögeln, die in den Süden fliegen, weil es zu kalt wird. Es ist interessant, dass du bereits etwas über Störche weißt!
Was hast du sonst noch aus dem Text verstanden? Kannst du ein oder zwei Dinge nennen, die du über die Reise der Zugvögel gelernt hast?
https://schulki.de/chats/e59a731e-7e44-48b7-b472-c378e3af3ea4
Phase 1 - Einstieg: Der Assistent fragt nach Assoziationen zur Überschrift und aktiviert Vorwissen.
Phase 2 - Exploration: "Was hast du verstanden?" – Die Antwort wird mit dem Text verglichen, Zutreffendes wird gelobt.
Phase 3 - Vertiefung: Bei Unklarheiten verweist der Assistent auf konkrete Textstellen: "Lies nochmal Zeile 3 – was steht dort über...?"
Phase 4 - Begriffserklärung: Unbekannte Wörter werden im Kontext erschlossen, nicht einfach übersetzt.
Phase 5 - Abschluss: Eine ermutigende Rückmeldung, die den Lernfortschritt würdigt.
Warum funktioniert das?
Der Lese-Assistent folgt dem Prinzip des sokratischen Dialogs: Durch geschickte Fragen werden Lernende selbst zur Antwort geführt. Das stärkt nicht nur das Textverständnis, sondern auch:
- Selbstwirksamkeit ("Ich kann das selbst herausfinden!")
- Metakognition (Bewusstsein über eigene Denkprozesse)
- Lesemotivation (Erfolgserlebnisse statt Frustration)
Einsatzszenarien im Unterricht
Individuelle Förderung: Jede:r Schüler:in erhält individuelle Rückmeldung und Unterstützung.
Hausaufgabenbetreuung: Schüler:innen laden ihren Text hoch und erhalten strukturierte Unterstützung.
Differenzierung: Jede und jeder arbeitet im eigenen Tempo und auf dem passenden Niveau.
Lesetraining: Gezielte Übung einzelner Lesestrategien.
Grenzen und bewusste Einschränkungen
Der Systemprompt enthält klare Vorgaben, was der Assistent nicht tun soll:
- Keine fertigen Zusammenfassungen liefern
- Nicht mehrere Strategien gleichzeitig einsetzen
- Keine komplexen, langen Erklärungen geben
- Nicht über das Textverständnis hinausgehen
Diese Einschränkungen sind didaktisch gewollt – sie sorgen dafür, dass der Lernprozess im Vordergrund steht.
Fazit: KI als Lernbegleiter
Der Lese-Assistent zeigt, wie KI sinnvoll in Lernprozesse integriert werden kann: Nicht als Antwortmaschine, sondern als geduldiger Coach, der durch die richtigen Fragen zum eigenständigen Denken anregt.
Das Textverständnis zu trainieren bleibt eine Kernkompetenz – der Lese-Assistent unterstützt dabei auf eine Weise, die individuell, ermutigend und didaktisch durchdacht ist.